Institut für Politikwissenschaft

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09.07.2018

Institutskolloquium: Formen, Gründe und Grenzen der Solidarität

Sven Jochem (Universität Konstanz) am Mittwoch, 11.07.2018 um 16 h c.t. im IfP, Raum 124


In der normativen Theorie ist die Debatte über Solidarität nur schwach ausgeprägt. In diesem Beitrag werden aufbauend auf unterschiedliche Reziprozitätskalküle vier Welten sozialpolitischer Solidaritäten unterschieden, die als konzeptionelle Perspektiven dienen können. Jenseits der Differenzierung unterschiedlicher Formen von politischer Solidarität ist in der normativen Theorie die Frage umstritten, aus welchen Gründen wir überhaupt Solidarität als Konzept einer Demokratie benötigen. Nach einem Überblick über unterschiedliche Denkschulen zur Begründung von Solidarität wird argumentiert, dass politische Solidarität als Grenz-Begriff zu denken ist. Eine radikale Ethik der Selbstentfremdung, wie sie in der postfundamentalistischen Theorie vertreten wird, kann ebenso wenig überzeugen wie deliberative, rationalistische oder auch marxistische Begründungen politischer Solidarität. Ich plädiere für eine Begründung politischer Solidarität durch einen realistischen Pragmatismus, der trotz aller Kontingenz und Komplexität moderner Gesellschaften seine normative Verpflichtungsfähigkeit durch grenzerweiterndes Handeln erlangt.

Sven Jochem studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Tübingen, Heidelberg und Stockholm. Stationen seiner wissenschaftlichen Arbeit waren unter anderem die Universitäten Heidelberg, Bremen, Bern und Konstanz. Seit 2012 ist Jochem außerplanmäßiger Professor an der Universität Konstanz. Für sehr gute Lehre wurde er im Jahr 2012 mit dem Lehrpreis der Universität Konstanz ausgezeichnet.

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