Friedensforschung damals und heute

Selbstverständnis

 

Im Verständnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitsbereichs  Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung bildet die Friedens- und Konfliktforschung das Forschungsprogramm für die Analyse der internationalen Politik. Die soziale Wirklichkeit - nicht nur, aber insbesondere der internationalen Beziehungen - ist wesentlich konflikthaft. Da Konflikte jedoch stets die Möglichkeit der Gewaltanwendung in sich bergen, stellen sie eine permanente Herausforderung für eine Wissenschaft dar, die sich am Zielwert Frieden ausrichtet. Das Erkenntnisinteresse der Friedens- und Konfliktforschung besteht somit darin, die Bedingungen eines friedlichen Konfliktaustrags und einer gewaltfreien Konfliktlösung zu erforschen und damit eine friedenspolitische Praxis zu unterstützen.


In der internationalen Politik stellt sich das Gewaltproblem in besonderem Maße, weil im internationalen System ein legitimes Gewaltmonopol fehlt. Dies führt zum einen dazu, dass militärische Selbsthilfe weiterhin als mögliches Mittel des Konfliktaustrags betrachtet wird und im Bewusstsein dieser Möglichkeit Aufrüstungsprozesse rational und tolerierbar erscheinen, die mit der Produktion von Massenvernichtungswaffen einhergehen, welche die Existenz der Menschheit insgesamt gefährden können. Zum anderen erschwert die Abwesenheit eines legitimen Gewaltmonopols eine stabile internationale Kooperation. Auch daraus erwachsen angesichts globaler Gefährdungen wie Armut, Migration oder Umweltzerstörung Gefahren für den Frieden.


Der Arbeitsbereich Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung hat es sich daher in erster Linie zur Aufgabe gemacht,

  • die Bedingungen friedlicher Konfliktbearbeitung und stabiler internationaler Zusammenarbeit durch internationale Institutionen zu erforschen,
  • die innerstaatlichen Bedingungen für ein gewaltfreies Außenverhalten von Staaten zu identifizieren und
  • die Rüstungsdynamik und die Abrüstungsprozesse sowie die Sicherheitspolitik in Europa zu beobachten und zu analysieren und
  • die Rolle von Religionen in politischen Konflikten zu analysieren und
  • die Möglichkeiten und Bedingungen friedlicher Konflikttransformation, insbesondere der Transformation von Grenzen zu erforschen.


Damit soll zum einen ein Beitrag zur Beschreibung, Erklärung und konstruktiven Kritik von Gewaltpolitik und gewaltträchtiger Politik in den internationalen Beziehungen ebenso wie in binnengesellschaftlichen Zusammenhängen geleistet werden. Zum anderen soll die Bemühung um ein vertieftes Verständnis der Bedingungen und Methoden kooperativer Konfliktbearbeitung Perspektiven für eine andere, friedenskonformere Politik und deren Umsetzung eröffnen. Insoweit will der Arbeitsbereich Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung über den akademischen Wissenschaftsbetrieb hinaus wirken. Primäre Aufgabe universitärer Forschung bleibt freilich auch in diesem Fach die Grundlagenforschung, die wissenschaftliche Ausbildung von Studentinnen und Studenten sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Friedensforschung in Tübingen von damals bis heute

 

Mit dem Masterstudiengang „Friedensforschung und Internationale Politik“ knüpft die Universität Tübingen an eine langjährige und erfolgreiche Tradition friedenswissenschaftlicher Grundlagenforschung und Lehre an. Das Fach Internationale Beziehungen/ Friedens- und Konfliktforschung am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen hat sich durch zahlreiche Drittmittelprojekte mit viel beachteten Forschungsergebnissen sowie interessanten und auch ausgezeichneten Lehrveranstaltungen einen weit über Tübingen hinausgehenden Ruf als sehr gute Forschungs- und Ausbildungsstätte auf diesem Gebiet erworben. Dies wird nicht zuletzt auch dadurch unterstrichen, dass Absolventen des Tübinger Instituts für Politikwissenschaft heute führende Vertreter dieses Faches mit hohem nationalem und internationalem Ansehen sind.

Nachdem sich Ende der sechziger Jahre Lehrende und Studierende, die an Fragen der Friedensforschung interessiert waren, als Arbeitsgruppe Friedensforschung (AGFF) konstituiert hatten, wurde 1972 mit der Einrichtung des Lehrstuhls „Internationale Beziehungen/ Friedens- und Konfliktforschung“ und dessen Besetzung mit Professor Volker Rittberger, Ph.D., eine erste dauerhafte Verankerung dieses Forschungs- und Lehrschwerpunktes an der Universität Tübingen erreicht. Prof. em. Rittberger hat sich einen international renommierten Namen unter anderem mit der Analyse internationaler Regime und Organisationen, insbesondere der UNO gemacht. Dr. Thomas Nielebock, AkadOR ist seit 1981 am Institut für Politikwissenschaft im Bereich Friedensforschung/ Internationale Beziehungen tätig und besetzt seit 1993 die Stelle eines Akademischen Rates. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Europäische Sicherheit und europäische Sicherheitsinstitutionen, Rüstungskontrolle, insbesondere Atomwaffenfreie Zonen, Konfliktanalyse, Konfliktmanagement und Mediation, methodische Fragen der Analyse internationaler Politik sowie normative Theorien der IB.

1991 wurde der Arbeitsbereich „Internationale Beziehungen/ Friedens- und Konfliktforschung“ gebildet und 1996 der Magisterstudiengang „Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen“ eingerichtet. Mit der Berufung von Dr. Andreas Hasenclever als Professor für Friedensforschung und internationale Politik“ im Jahr 2004, was durch die finanzielle Förderung durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung möglich wurde, konnte das Lehrangebot durch die Einrichtung des Masterstudiengangs im Bereich Friedensforschung und internationale Politik nochmals erheblich ausgeweitet werden. Die Arbeitsschwerpunkte von Prof. Hasenclever liegen neben der Analyse internationaler Organisationen und Regime bei Theorien der IB, insbesondere der Theorie des Demokratischen Friedens und bei der Analyse gewaltträchtiger Konflikte, und hier insbesondere bei der Rolle von Religion in politischen Konflikten. Im Sommersemester 2009 trat Professor Dr. Thomas Diez die Nachfolge von Professor Volker Rittberger, Ph.D an. Seine Arbeitsschwerpunkte sind der Schnittpunkt zwischen europäischer und internationaler Politik, Diskurse zur Zukunft europäischen Regierens, Auswirkungen der europäischen Integration auf die Transformation von Grenzkonflikten, Beziehungen zwischen der EU und der Türkei, der Zypernkonflikt, die Rolle der EU als Akteur in der Weltpolitik und das Zusammenspiel von Menschenrechten und zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Konflikttransformation. Mit Prof. Diez wird nun auch das konstruktivistische Wissenschaftsverständnis prominent am Institut repräsentiert.

Die AGFF bzw. der Arbeitsbereich Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung hat seit 1968 eine ganze Reihe von Projekten durchgeführt. Dabei konnten von Drittmittelgebern (v.a. Deutsche Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung [DGFK] und Deutsche Forschungsgemeinschaft [DFG] sowie Stiftung Volkswagenwerk) bisher Beihilfen in Höhe von mehreren Millionen DM eingeworben werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Arbeit reichten von der Analyse internationaler Regime und internationaler Organisationen, vergleichender Außenpolitikanalyse unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Außenpolitik, Friedenserziehung, Untersuchungen zu Problemen der Sicherheits- und Rüstungspolitik, Fragen der europäischen Sicherheit bis hin zur Weiterentwicklung von Theorien der internationalen Beziehungen mit besonderer Betonung der Bedingungen des Friedens:

Projekte, die sich eher auf das Praxisfeld der schulischen, außerschulischen und universitären Friedenserziehung konzentrierten, wurden Anfang der 70er und Anfang der 80er Jahre in Angriff genommen. 1983/84 wurde an dem Projekt "Entwicklung und Erprobung eines Hochschul-Curriculums zur Friedens- und Konfliktforschung" gearbeitet. Sein Ziel war es, ein Curriculum über Grundfragen der Friedensforschung/-sicherung für die universitäre Erstausbildung und Fortbildung zu entwickeln.
Zwischen 1972 und 1977 wurden von der DGFK die Projekte "Funktion von Unterrichtsmodellen für die Friedenserziehung" und "Friedenspädagogische Handlungsforschung" finanziert. Sie stellten auf die Förderung des Friedens auf der Ebene von Vermittlungs- und Erziehungsprozessen im schulischen und außerschulischen Bereich ab. Um diese auf die friedenspädagogische Praxis zielenden Arbeiten fortzuführen, wurde Ende 1976 der "Verein für Friedenspädagogik Tübingen e.V." gegründet (heute: Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.), mit dem die AGFF bzw. der Arbeitsbereich Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung eng kooperiert. Mitarbeiter des Vereins für Friedenspädagogik bieten regelmäßig Lehrveranstaltungen zu den gesellschaftlichen Bedingungen friedenspolitischen Handelns an.

Einen durchgängigen Forschungsschwerpunkt seit 1974 stellt das Thema Abrüstung dar. Zunächst wurde 1974/75 im Rahmen des von der DGFK geförderten und von D. S. Lutz und V. Rittberger bearbeiteten Projekts "Verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen einer Abrüstungspolitik nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland" der Frage nachgegangen, ob das Grundgesetz eine Politik der Friedenssicherung durch militärische Landesverteidigung vorschreibe oder ob es umgekehrt der militärischen Sicherheitspolitik sogar gewisse Grenzen ziehe. Im Ergebnis stellt die Studie sehr deutlich die Friedens- und Abrüstungsfreundlichkeit des Grundgesetzes heraus.
Den institutionellen Bedingungen von Abrüstung innerhalb des politisch-administrativen Systems in der Bundesrepublik Deutschland widmete sich die überregionale Arbeitsgruppe "Abrüstungsplanung" im Rahmen des Projektes "Möglichkeiten der Verstärkung der abrüstungspolitischen Planungskapazitäten in der Bundesrepublik Deutschland" 1978 bis 1980. Dabei wurden die Aufgaben, Probleme und Perspektiven der westdeutschen Abrüstungsplanung analysiert und es wurde versucht, Vorschläge für eine gegenstands- und zieladäquate Reform auszuarbeiten. Dem Problem der Abrüstung widmete sich auch das von der DGFK und der DFG zwischen 1983 und 1985 finanzierte Projekt "Möglichkeiten und Grenzen internationaler Abrüstungs- und Rüstungskontrollverwaltung am Beispiel der Organisation zum Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika". Dabei stand zweierlei im Mittelpunkt des Interesses: die Wirksamkeit einer Rüstungskontrollagentur und die Entstehungsbedingungen und Reichweite der atomwaffenfreien Zone in Lateinamerika. Das Projekt fügte sich außerdem in den seit 1981 bestehenden Arbeitsschwerpunkt "Alternative Sicherheitskonzepte, insbesondere atomwaffenfreie Zonen" ein.

Die inhaltlichen Forschungsschwerpunkte des Instituts lagen in den 1980er und 1990er Jahren insbesondere auf der Analyse internationaler Regime und internationaler Organisationen. Die Regime-Forschung kann als eines der zentralen Tübinger Projekte gelten; an ihm waren zahlreiche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen über mehrere Jahre beteiligt waren. Die erste Projekteinheit widmete sich der Bedeutung von internationalen Regimen bei der gewaltfreien Regulierung des Ost-West-Konflikts, wobei in vergleichender Perspektive mehrere Fallstudien erstellt wurden. Die zweite Projekteinheit untersuchte den Einfluss von Verteilungsleistungen internationaler Regime auf deren Robustheit.
Ein weiterer zentraler Forschungsbereich stellte ebenso die Analyse internationaler Organisationen dar. Neben der Geschichte und Theorie der internationalen Organisationen interessierten vor allem die Politikentwicklungsprozesse in internationalen Organisationen sowie deren Aktivitäten auf verschiedenen Politikfeldern.  
Des Weiteren wurde im Rahmen eines Eigenprojekts auch die Frage der Demokratisierung von internationalen Organisationen systematisch angegangen. Ausgangspunkt dieser Problemstellung war das demokratische Defizit und die daraus resultierende geringe Legitimität, die internationalen Organisationen eigen ist.

Seit Ende der 80er Jahre konzentrierte sich die Forschungsarbeit zudem auf die Identifikation derjenigen innerstaatlichen Bedingungen, die einem gewaltfreien Außenverhalten von Staaten förderlich sind. Insbesondere den Ursachen des permanenten Gewaltverzichts zwischen Staaten mit demokratischer Verfassung kam dabei verstärkte Aufmerksamkeit zu und wird heute von Prof. Dr. Hasenclever weitergeführt.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Mitgliedern des politikwissenschaftlichen Instituts und Mitgliedern der juristischen sowie der geschichtswissenschaftlichen Fakultät zum Thema "Geschichte und Theorie der Internationalen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert" wurde zwischen 1989 und 1994 im Rahmen des baden-württembergischen Landesforschungsprogramms fest verankert. Der Akzent der interdisziplinären Zusammenarbeit lag in diesem Zeitraum auf dem Themenkomplex "Verfassung, Demokratie und Außenpolitik", in dessen Rahmen sich der Beitrag des Arbeitsbereiches Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung insbesondere auf die Frage nach den innerstaatlichen und systemischen Bedingungen der Zivilisierung der internationalen Beziehungen konzentriert. Das Lehrangebot beinhaltete sowohl interdisziplinäre Seminare als auch Ringvorlesungen zum oben genannten Schwerpunkt.
Daneben wurde eine umfassende zweisprachige Dokumentensammlung zum Thema "Das System der Vereinten Nationen und seine Vorläufer. Satzungen und Rechtsakte" erstellt, die insgesamt über 200 Dokumente der Vereinten Nationen, ihrer Sonderorganisationen, des Völkerbunds und ihrer Vorläufer im 19. Jahrhundert vereint. Die Publikation der drei (Teil-)Bände wurde vom Auswärtigen Amt gefördert.

Zwischen 1991 und 1995 wurde in einem von der DFG geförderten Projekt "Die Politik von Industrienationen gegenüber der UNESCO (1978-1986)" untersucht. Ziel dieses Projekts war es, auf der Basis vergleichender Fallstudien die Faktoren zu ermitteln, die das Verhalten von Staaten in dem bisher von der Forschung weitgehend vernachlässigten Politikfeld der auswärtigen Kulturpolitik bestimmen. Am Beispiel der Politik der USA, Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland und - als Kontrollfall - der Sowjetunion in der von der Kontroverse über die Neue Weltinformations- und Kommunikationsordnung geprägten "UNESCO-Krise" wurden unterschiedliche Erklärungsansätze für die Außenpolitik von Industrieländern geprüft.

Von 1996 bis 2001 war der Arbeitsbereichan einem von der United Nations University geförderten Projekt zum Thema "The United Nations System in the 21st Century" beteiligt. Das Projekt hatte sich zum Ziel gesetzt zu prüfen, welche Aufgaben den Vereinten Nationen in Zukunft angesichts der globalen Herausforderungen in den Bereichen Frieden und internationale Sicherheit, Entwicklung, Umwelt, Menschenwürde und globalem Regieren zukommen könnten. Zu diesem Zweck wurden fünf Forschungsgruppen zu den Themen Staat, Multinationale Konzerne, Regionale Abkommen, Internationale Organisationen und unter dem Stichwort "Global Citizenship" zu Nichtregierungsorganisationen (NRO) eingerichtet, wobei die Leitung der zuletzt genannten Arbeitsgruppe bei Prof. em. V. Rittberger lag.

Ende der 1990er untersuchte das Projekt „Deutsche Außenpolitik nach der Vereinigung“, ob die deutsche Außenpolitik seit der Vereinigung mehr durch Kontinuität oder mehr durch Wandel gekennzeichnet ist. Autoren, die der als "Realismus" bezeichneten Theorieschule der Internationalen Beziehungen zuzuordnen sind, haben geltend gemacht, dass Deutschland durch die Vereinigung an Macht gewonnen habe und diese gestiegene Macht zu einer Neuorientierung seiner Außenpolitik führen werde. Demgegenüber verweisen Vertreterinnen und Vertreter anderer Theorieschulen der Internationalen Beziehungen (1) auf die Kontinuität der durch die Einbindung Deutschlands in internationale Institutionen an es gerichteten normativen Verhaltensanforderungen (institutionalistische Theorie), (2) auf die Kontinuität der grundlegenden Interessen gesellschaftlicher und politisch-administrativer Akteure wie Unternehmen, Interessengruppen, Bürokratien etc. (utilitaristisch-liberale Theorie) oder (3) auf die Kontinuität grundlegender Werthaltungen der deutschen Gesellschaft (idealistisch-liberale Theorie). Diese verschiedenen, theoretisch begründeten Erwartungen an die Entwicklung der deutschen Außenpolitik in unterschiedlichen Politikfeldern wurden anhand von Fallstudien getestet. Diese Fallstudien umfassten Bereiche wie die Sicherheitspolitik in Internationalen Organisationen (UNO, NATO, EU), die Außenhandelspolitik (in EU und GATT/WTO), die Entwicklungshilfepolitik und die Menschenrechtspolitik. Das Projekt führte 2001 zur Veröffentlichung des von Prof. em. Rittberger herausgegebenen Buches „German Foreign Policy Since Unification. Theories and Case Studies”.

Seit gut einem Jahrzehnt untersucht ein Forschungsbereich im Zuge der zunehmenden Entstaatlichung des Krieges und Denationalisierung im Sicherheitsbereich die wachsende Rolle nicht-staatlicher Akteure wie Religionsgemeinschaften oder Unternehmen. Das Forschungsinteresse gilt dabei insbesondere Religionsgemeinschaften in Konflikten, deren Rolle einen der Forschungsschwerpunkt von Prof. Dr. Hasenclever ausmacht. Durch die Untersuchung des eskalationsfördernden bzw. de-eskalierenden Potentials von Religionsgemeinschaften in Gewaltkonflikten wird somit eine Forschungslücke geschlossen.

Von 2005 bis 2007 führte Prof. Hasenclever das von der DSF geförderte Projekt  „Die internationale Organisation des Demokratischen Friedens“ durch. Seit 2007 läuft das von der DFG geförderte und inzwischen abgeschlossene Projekt "Sicherheitsmanagement zwischen Demokratien" unter seiner Führung.

In der Lehre werden seit Anfang der 70er Jahre regelmäßig Veranstaltungen angeboten, die in die Hauptfragestellungen der Friedens- und Konfliktforschung einführen und die zu ausgewählten Problemstellungen Vertiefungen zulassen. Seit der Einführung des Magisterstudiengangs „Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen“ konnte die Zahl der Lehrveranstaltungen im Bereich Friedensforschung nochmals ausgeweitet werden. Mit der Etablierung des Masterstudiengangs „Friedensforschung und Internationale Politik“ und der damit einhergehenden und von der Deutschen Stiftung Friedensforschung geförderten Einrichtung einer gleichnamigen Professur erfuhr diese langjährige Lehrtradition eine deutliche Verstärkung und ermöglicht es dem Institut für Politikwissenschaft, den international anerkannten akademischen Grad „Master of Arts“ zu verleihen.

Das Lehrangebot enthält zahlreiche Praxis-bezogene Elemente wie Exkursionen zu Sicherheitsinstitutionen in Europa (Wien, Straßburg, Brüssel) und zu Konfliktregionen mit dem Peace-Boat sowie Simulationsprojekte zum einen zu einem aktuellen Konflikt und zum anderen zu den Vereinten Nationen durch die jährliche Teilnahme am National Model United Nations (NMUN) in New York. Am NMUN nimmt seit über 10 Jahren jeweils eine Tübinger Gruppe teil. Diese Projekte werden teilweise auch durch Drittmittel gefördert (u.a. Robert Bosch-Stiftung), aber auch durch Studiengebühren unterstützt.

Das Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen bietet somit die institutionellen, strukturellen, personellen und didaktischen Voraussetzungen für eine fundierte und vielseitig gestaltete Ausbildung auf dem Gebiet der Friedens- und Konfliktforschung an. Mit dem Institut für Friedenspädagogik Tübingen und der Stiftung Weltethos, zu denen vielfältige Kooperationsbeziehungen bestehen, gibt es zudem ein anregendes und herausforderndes Umfeld.

Tübinger Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Friedensforschung

 

Von 1985 bis 2008 gab die AGFF bzw. der Arbeitsbereich Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung die Reihe "Tübinger Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Friedensforschung" zur Dokumentation laufender Forschungsarbeiten heraus. Dabei wurden vor allem auch aktuelle Diskussionsbeiträge abgedruckt, um möglichst schnell und unkompliziert in laufende wissenschaftliche Kontroversen eingreifen zu können.
Siehe online: http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/fakultaet-fuer-sozial-und-verhaltenswissenschaften/institute/institut-fuer-politikwissenschaft/rund-ums-institut/archiv/publikationen-archiv/taps.html
Seit 2009 werden herausragende Abschlussarbeiten auf der Homepage des Arbeitsbereichs „Internationale Beziehungen/ Friedens- und Konfliktforschung“ eingestellt.
Siehe: http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/fakultaet-fuer-sozial-und-verhaltenswissenschaften/institute/ifp/lehrende/internationale-beziehungen-friedens-und-konfliktforschung-professuren-diez-und-hasenclever/veroeffentlichungen/hervorragende-abschlussarbeiten.html

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