Wirksamkeit von Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht

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Zeitzeugenbefragungen – also das Interview mit Menschen, die einen geschichtlichen Kontext selbst erlebt haben – sind im Geschichtsunterricht beliebt, um Schülerinnen und Schülern die Vergangenheit nahe zu bringen. In der Folge glauben die Schülerinnen und Schülern manchmal den Zeitzeugen mehr als den Schulbüchern oder schriftlichen Quellen, denn der Zeitzeuge „war dabei“. Die Doppelgesichtigkeit des Zeitzeugen, der gleichzeitig Quelle und Darstellung ist, macht ihn für den Geschichtsunterricht spannend, aber auch risikoreich.

 

Eine Studie des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung untersucht, welche Effekte die Zeitzeugenbefragung auf drei Aspekte hat, nämlich auf die Förderung der historischen Kompetenzen, auf den Erwerb von Faktenwissen und auf das Geschichtsinteresse. Hierfür wurde in insgesamt 30 baden-württembergischen Gymnasialklassen der 9. Jahrgangsstufe im Schuljahr 2011/2012 die Wirkung von drei Unterrichtstreatments zum Thema „Friedliche Revolution in der DDR“ verglichen: erstens die Arbeit mit einem lebendigen Zeitzeugen, zweitens mit Video-Clips und drittens mit den Transkriptionen einer Zeitzeugenbefragung. Vor und nach der Unterrichtseinheit sowie zwei bis drei Monate später wurden das Interesse, das Wissen zum Thema und die historische Kompetenz der Schülerinnen und Schüler erfasst. Neben den Treatmentgruppen nahmen acht Kontrollklassen an den drei Testungen teil. Der Haupterhebung vorgeschaltet war eine Validierungsstudie, in der das Messinstrument in enger Zusammenarbeit mit Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktikern des Fachs Geschichte entwickelt und in einer Stichprobe von 15 Klassen validiert wurde.

 

Ziel der Studie ist es, Wege aufzeigen, wie das didaktische Instrument der Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht so eingesetzt werden kann, dass die Chancen (z.B. historisches Interesse wecken) genutzt und gleichzeitig die Risiken (z.B. unreflektierter Umgang mit der vermeintlich authentischen Quelle) minimiert werden.

Förderung

Team

  • Christiane Bertram (wissenschaftliche Koordination),
  • Ulrich Trautwein (Leitung),
  • Wolfgang Wagner

Kooperationen

Bodo von Borries (Universität Hamburg)

 

Waltraud Schreiber (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)