Abgeschlossene Drittmittelprojekte

Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei mittleren Führungskräften im Kontext neuer Organisations- und Managementkonzepte

Hans-Böckler-Stiftung

 

Laufzeit06/1998 - 08/2000
LeitungProf. Dr. Regine Gildemeister, Institut für Soziologie
Prof. Dr. Bernd Jürgen Warneken, Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft
Wiss. MitarbeiterinnenSusanna Jäger (bis Januar 2000)
Petra Notz


Das Forschungsvorhaben zielt darauf ab, das Spannungsfeld von Beruf und Partnerschaft bei männlichen Führungskräften des mittleren Managements zu beleuchten. Seinen Hintergrund bilden gegenläufig erscheinende Entwicklungen in der betrieblichen Sphäre einerseits (neue Organisations- und Managementkonzepte) und im familialen Bereich andererseits (Wertewandel, Veränderungen der Geschlechterrollen, neue Familienformen).

 

Neue Organisations- und Managementkonzepte konfrontieren Führungskräfte nicht nur mit Rationalisierungs- und Reorganisationsmaßnahmen, sondern verändern auch deren berufliche Rollen und die an sie gerichteten fachlichen, sozialen und kulturellen Anforderungen. Diese Entwicklungen verschaffen mittleren Führungskräften nicht nur lang ersehnte Freiheiten (größere Entscheidungs- und Handlungsspielräume, kürzere Delegationswege), sondern können auch neue Belastungen in sich bergen (z.B. Zunahme von Arbeitszeiten und -belastung, Überforderung, Streß). Sicher ist, daß Führungskräfte heute zeitlich und psychisch stärker denn je in die Organisation eingebunden sind, und daß solche Veränderungen auch über den Arbeitszusammenhang hinaus auf den Privatbereich wirken.

 

Eine zunehmende Vereinnahmung durch den Beruf und die Organisation steht jedoch in Widerspruch zu Veränderungen, die im Geschlechterverhältnis und Partnerschaftsverhältnis zu beobachten sind. In den letzten Jahrzehnten nahm der Anteil erwerbstätiger Frauen stetig zu. Die daraus resultierende größere ökonomische Unabhängigkeit vieler Frauen führte nicht nur zu neuen Handlungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, sondern auch zu einem Legitimationsverlust der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung. Auch auf seiten der Männer ist einiges in Bewegung geraten: Das überkommene Männerbild des alleinverdienenden Familienernährers und außerhäusigen Berufsmenschen hat an Selbstverständlichkeit eingebüßt. Nunmehr werden zwei eigenständige Biographien in die Beziehung eingebracht und müssen miteinander verbunden werden.

 

Betrachtet man nun diese beiden gegenläufigen Entwicklungen - gesellschaftliche Prozesse, wie Wertewandel, Wandel der Geschlechterrollen, neue Familienformen auf der einen Seite und neue Organisations- und Managementkonzepte sowie deren Konsequenzen für die Führungskräfte auf der anderen Seite -, so stellt sich die Frage, wie Führungskräfte und ihre Partnerinnen sich in diesem Spannungsfeld von Familie und Beruf einrichten. Lassen sich Frauen zugunsten der Karriere der Männer wieder vermehrt auf eine traditionelle Geschlechterrolle festlegen oder wirken die genannten gesellschaftlichen Veränderungen einer ganzheitlichen Vereinnahmung durch Beruf und Organisation entgegen? Oder aber arrangieren sich Führungskräfte und ihre Partnerinnen, indem sie sich auf neue Formen des Zusammenlebens einigen? Diesen Fragen soll im Projekt nachgegangen werden. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie Unternehmen mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Führungskräften gerade im Hinblick auf neue Organisations- und Managementkonzepte umgehen, welche Erwartungen sie an Ehepartnerinnen haben, welche offiziellen Leitbilder sie besitzen und welche Angebote zur Vereinbarkeit existieren.