Wolfgang Sannwald neuer Honorarprof. am LUI

Mit einer Antrittsvorlesung zum Thema „Heimat under Construction“ hat Wolfgang Sannwald seine Honorarprofessur für Regionale Kultur am Ludwig-Uhland-Institut angetreten. Sannwald leitet das Kreisarchiv in Tübingen und hat zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungen zur regionalen Kultur verantwortet. In Dettenhausen, Gomaringen und Neustetten hat Sannwald lokalhistorische Museen, in Dußlingen, Ofterdingen, Bodelshausen, Nehren und Gomaringen Geschichtspfade auf den Weg gebracht. Hinzu kommen umfassende Bücher und Sammelbände zu historischen Themen, zur Lokalgeschichte einzelner Gemeinden oder zu den Heimatmuseen im Landkreis Tübingen.


Seit 2010 hat Sannwald Lehraufträge am LUI übernommen. In seinen Seminaren hat er den Studierenden Orte und Landschaften des Judentums im Raum Tübingen gezeigt. Er hat sie mit der Kamera in fremde Wohnzimmer geschickt, um den Lebensraum der Tübinger heute zu dokumentieren. Und er hat sie immer wieder in Projekte einbezogen, die er am Landratsamt verantwortete. Insbesondere zu nennen sind die so genannten Jugendguides am Landratsamt, die er zusammen mit der offenen Jugendarbeit als neue Form der Erinnerungspraxis aufsetzte. Die Tübinger Jugendguides sind Schüler oder Studierende, die nach einer Ausbildung eigenständig als Gedenkstättenführer arbeiten können. Sie sollen eine junge Generation, für die die NS-Zeit denkbar weit weg ist und die keine Zeitzeugen mehr kennenlernen kann, in ihrer Sprache zeitgemäß die Geschichte des Dritten Reichs und der Judenvernichtung in der Region vermitteln.


Ein zweites aktuelles Projekt ist Sannwalds Einsatz für Geflüchtete, die seit 2015 nach Tübingen gekommen sind. Hier engagiert er sich nachhaltig für die Integration der Neubürger, indem er z. B. zusammen mit Geflüchteten die Zeitschrift TüNews international herausgibt. Zusammen mit Studierenden des LUI und Prof. Dr. Reinhard Johler hat Sannwald zudem die Flüchtlingsarbeit des Landkreises zum Gegenstand ethnografischer Forschung gemacht, indem er Studierende beobachten ließ, wie Landkreis und Ehrenamtliche sich um die Geflüchtete kümmern.


Die Kombination aus praktischer Kulturarbeit und wissenschaftlicher Grundlagenforschung hat die Fakultät überzeugt, mit Wolfgang Sannwald einen ausgewiesenen Experten für Regionale Kultur für die universitäre Forschung und Lehre gewonnen zu haben.


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