LUI/TVV-Newsletter 71 – April 2017


Nachdem das Wintersemester so dramatisch endete, möchten wir nun Alle zum Sommersemester 2017 herzlich begrüßen – in der großen Hoffnung auf anregend Undramatisches.
Der Newsletter informiert über Neuigkeiten und lädt zur großen Vielfalt an Veranstaltungen ein!

I. INSTITUTSNEWS

Den Auftakt zum Sommersemester übernahm dieses Mal eine auswärtige Veranstaltung. Seit Mittwoch 19.4. und noch bis Juli 2017 ist im Landratsamt Tübingen eine Ausstellung zum Thema “Geflüchtet – hiesig werden“ zu sehen. Studierende aus zwei Seminaren der EKW (Leitung Reinhard Johler und Wolfgang Sannwald) haben Text- und Bildtafeln erstellt zu den Diskursen um Integration, Heimat und Leitkultur; sie haben aber auch über Biographien exemplarisch die aktuelle persönliche Situation Geflüchteter aufs Papier und an die Wand gebracht. Die Ausstellung wird anschließend als Wanderausstellung in den Ortsmuseen des Landkreises mit lokalen Objekten und Texten angereichert werden. Sie thematisiert so die historische wie auch die aktuelle Dimension des Migrations- und Integrationsprozesses in der jeweiligen Gemeinde.
Ausstellung und Seminare sind Ergebnisse eines Schwerpunktes um Flucht und Migration, den sich das LUI seit dem Beginn der erhöhten Zuwanderung 2015 bewusst gesetzt hat. Eine erkleckliche Reihe von Seminaren und Abschlussarbeiten im Bachelor und Master hat sich seitdem der aktuellen Flüchtlingsthematik angenommen und damit in der Lehre eine tragfähige Basis auch für die weitere Auseinandersetzung gelegt.

Das Institutskolloquium nimmt sich in diesem Semester unter dem Titel „Verändern, verbessern, verhandeln“ den Mechanismen und Politiken des Wandels in Organisationen an. Auch hier sind die Anknüpfungspunkte aktuell, lassen sich doch solche Mechanismen momentan am Institut selbst sehr gut und auch teilnehmend beobachten. Denn die Studiengänge der EKW befinden sich im Jahr 2017 im Reakkreditierungsverfahren. Von den Beobachtungen inspiriert, welche Akteure in diesem Verfahren welches strategische Handeln generieren, um das Verfahren auf die eigenen gewünschten Ziele hin zu gestalten, soll im Kolloquium gemeinsam mit eingeladenen Wissenschaftler*innen aus dem Fach und angrenzenden Disziplinen auf die Mechanismen und Politiken des Wandels in verschiedenen Organisationen – von der Hochschule bis zum Wirtschaftsunternehmen – geblickt werden. Mit ihnen wollen wir Fragen nach den (de)zentralen Durchsetzungsmechanismen und -praktiken von Neuregelungen diskutieren, darin das Handeln der Beteiligten konzeptuell und empirisch beleuchten sowie die Wirkmacht von institutionellen Schaltstellen wie Formularen, Listen und Programmen bei der Durchsetzung von Neuerungen oder der Qualitätskontrolle ihrer Umsetzungen miteinbeziehen.
Das ausführliche Programm finden Sie unten unter III. sowie auf unserer Homepage.

Im Berufsfeldkolloquium sind dienstags wieder unter dem Titel „Kultur als Beruf“ verdiente Kultur-Expert*innen wie auch Berufseinsteiger*innen aus den EKW-Alumni zu Gast, die vom vielfältigen Kulturarbeitsmarkt für EKW-Absolvent*innen berichten. Die angekündigten Einblicke in verschiedenste Berufsfelder versprechen aktuelle Informationen von kundigen Insidern. Auch hier lohnt ein Blick in den ausführlichen Terminkalender.

Die am LUI seit vielen Jahren etablierte AG Jüdische Studien trägt im Mai mit einem Vortrag zu Nationalsozialismus und Shoah aus literaturwissenschaftlicher Sicht zum Programm bei.

Auch in einer Vorlesungsreihe der Fakultät und im Studium Generale sind dieses Semester interessante Vorträge aus dem LUI zu finden. Gleich Anfang Mai wird Kaspar Maase zur Qualität qualitativer Forschung in Hinblick auf die Methodik der historischen Ethnographie sprechen. Im Juli dann wird ein Termin in der Studium Generale-Reihe „Ursprünge. Schritte der Menschheit“ von Thomas Thiemeyer und den Kolleginnen Inés de Castro vom Lindenmuseum Stuttgart und Gabi Alex aus der Ethnologie gestaltet. Sie sprechen über „Ursprünge der Auseinandersetzung mit dem kulturell Fremden“.

Gern machen wir schon an dieser Stelle auf die diesjährige Verabschiedung der Absolvent*innen des LUI aufmerksam. Das Fest wird diesmal umrahmt von der Projektpräsentation des studentischen Kooperationsprojekts Holocaust-Gedenken in der Migrationsgesellschaft (Leitung Thomas Thiemeyer und Jackie Feldman) unter Mitwirkung der Studierenden von Beer Sheva ebenso wie von Tübingen. Die offizielle Einladung folgt.

Die genauen Termine und Veranstaltungsorte finden Sie im Terminkalender dieses Dokuments. Zu allen Veranstaltungen sind Sie herzlich eingeladen!

II. PERSONALIA

Zum 1. April 2017 begrüßte das LUI die neue wissenschaftliche Mitarbeiterin Helen Ahner. Sie studierte EKW und Allgemeine Rhetorik in Tübingen und hat vor kurzem ihre Masterprüfung erfolgreich bestanden. In ihrer Masterarbeit untersuchte sie den Erinnerungsdiskurs um die Präparate von NS-Opfern in der Tübinger Anatomie. Für ihr nächstes Forschungs- und Qualifikationsprojekt möchte sie die Forschung zur materiellen Dimension von Wissensmedien weiterführen, am Fokus dazu wird momentan noch gebastelt.

Als zeitweilige, hochgeschätzte Gäste darf das LUI in diesem Semester zwei international renommierte Wissenschaftlerinnen begrüßen. Von März bis Juni 2017 ist Prof. Dr. Jasna Čapo-Žmegač vom Institute of Ethnology and Foklore Research in Zagreb als Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung zu Gast. Frau Čapo-Žmegač arbeitet in dieser Zeit an einer Studie zu Fragen der Migration in Europa. Von Dezember 2016 bis Dezember 2017 ist Frau Ass. Prof. Zhang Ying vom Foreign Studies College der Nordostuniversität in Shenyang (VR China) als Stipendiatin des China Scholarship Council zu Gast am LUI. Frau Ying interessiert sich besonders für aktuelle Deutschlandstudien.

Von Elisabeth Socha mussten wir uns hingegen schon wieder verabschieden. Sie hat ein Stipendium von der Studienstiftung des deutschen Volkes erhalten und widmet sich nun ganz fokussiert ihren Forschungen zu neurophysiologischem Wissen über den 'sozialen Menschen' im populärwissenschaftlichen Feld.

III. TERMINKALENDER

Donnerstag, 27. April, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Institutskolloquiums – Claudia Schlager (Tübingen): Was macht der/die/das Neue an und mit einer Hochschule? Ethnographische Bemerkungen zu einer Institution unter Veränderungsdruck
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 02. Mai, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Franziska Kegler – Projektmanagerin Bundesliga-Stiftung, Frankfurt, zum Berufsfeld Stiftungen
Ort: LUI Ausstellungsraum

Mittwoch, 03. Mai, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen der Reihe Quality Matters. Zur Qualität qualitativer Forschung, eine Vorlesungsreihe des QualiNetWiSo: Kaspar Maase (Tübingen): Zur Methodik der historischen Ethnographie.
Ort: Hegelbau, Wilhelmstraße 36, Institut für Soziologie, Großer Übungsraum

Dienstag, 09. Mai, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Hans-Joachim Althaus – Leiter des TestDaF-Instituts, Geschäftsführer der Gesellschaft für Akademische Studienvorbereitung und Testentwicklung e. V., Bochum, zum Berufsfeld Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik
Ort: LUI Ausstellungsraum

Donnerstag, 11. Mai, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Institutskolloquiums, Michael Maile (Tübingen): „Change Management“? Deutungen über die Führungs- und Wandelkultur bei Change-Prozessen in Unternehmen
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 16. Mai, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Gerhard Keim – Managing Director Point-Blank International Marketing Research & Consultancy GmbH, Berlin, zum Berufsfeld Marktforschung
Ort: LUI Ausstellungsraum

Donnerstag, 18. Mai, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Institutskolloquiums, Andreas Wittel (Nottingham, UK): Von der Organisation der Arbeit zur politischen Ökonomie von Hochschulbildung: ein Spagat“
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 23. Mai, 20 Uhr s.t.
Vortrag im Rahmen der Jüdischen Studien am LUI: Dorothea Kliche-Behnke (Tübingen): Nationalsozialismus und Shoah im autobiographischen Roman.
Ort: LUI-Seminarraum

Dienstag, 30. Mai, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Doris Orgonas – Leitung Kulturamt, Ehingen (Donau), zum Berufsfeld Kulturvermittlung
Ort: LUI Ausstellungsraum  

Donnerstag 01. Juni, 18 Uhr
Antrittsvorlesungen von Thomas Thiemeyer (LUI): Museum, Wissenschaft und Öffentlichkeit; Ernst Seidl (Kunsthist. Institut): Sammlung, Universität und Politik
Ort: Universität Tübingen, Rittersaal, Schloss Hohentübingen

Dienstag, 13. Juni, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Felicitas Günther – Leitung Sachgebiet Museen, Calw, zum Berufsfeld Museum
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 20. Juni, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Nina Huber und Dorothea Grassmann – Tourneeausstellungen und Kunstförderung, ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), Stuttgart zum Berufsfeld Internationales Ausstellungsmanagement
Ort: LUI Ausstellungsraum

Donnerstag, 22. Juni, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Institutskolloquiums, Hannes Krämer (Frankfurt/Oder: Wie bearbeiten Organisationen Zukunft? Eine Heuristik zur Analyse organisationaler Zukunftspraxis
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 27. Juni, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Susanne Zahn – Volontariat Hochschulkommunikation Universität Tübingen, zum Berufsfeld Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
Ort: LUI Ausstellungsraum

Donnerstag, 29. Juni, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Institutskolloquiums, Asta Vonderau (Stockholm): Zur Modularisierung der (akademischen) Welt: Wie lässt sie sich ethnographisch untersuchen?
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 04. Juli, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Ulrike Krone – Interkulturelle Projekte, d.a.i. Tübingen, zum Berufsfeld Internationale Kulturvermittlung
Ort: LUI Ausstellungsraum

Mittwoch, 05. Juli, 20 Uhr
Vortrag im Rahmen der Studium-Generale-Reihe Ursprünge. Schritte der Menschheit: Inés de Castro (Stuttgart), Thomas Thiemeyer, Gabi Alex (Tübingen): Ursprünge der Auseinandersetzung mit dem kulturell Fremden
Ort: Tübingen, Kupferbau, HS 21

Donnerstag,06. Juli, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Institutskolloquiums Ove Sutter (Bonn): Lokale Aushandlungen von Willkommenskultur zwischen zivilgesellschaftlichen Helfer*innen und staatlichen Behörden
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 11. Juli, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Lina Gerigk – Beratung Akademiker*innen, Agentur für Arbeit, Lörrach, zum Berufsfeld Beratung
Ort: LUI Ausstellungsraum

Donnerstag, 13. Juli, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Institutskolloquiums, Isabell Steinhardt (Kassel): Zur Erforschung von Akkreditierungsverfahren
Ort: LUI Ausstellungsraum

Dienstag, 18. Juli, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Berufsfeldkolloquiums: Melanie Keding – „Dämpferklinik“: Start-Up Fahrwerkstechnik Mountainbike, Tübingen, zum Berufsfeldwechsel
Ort: LUI Ausstellungsraum

Freitag, 28. Juli, 18 Uhr
Projektpräsentation des Studienprojekts Holocaust-Gedenken in der Migrationsgesellschaft (Leitung Thomas Thiemeyer und Jackie Feldman) – eine Kooperation mit Studierenden der Universität Beer Sheva (Israel) – und Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen des LUI
Ort: LUI

IV. NACHRICHTEN DER TVV

Bitte vormerken: Die diesjährige Mitgliederversammlung der TVV findet statt am Freitag, den 28. Juli im LUI um 16 Uhr. Vorher, um 15 Uhr ist Beiratssitzung. Eine ausführliche Einladung folgt.

V. PUBLIKATIONEN DER TVV

Das preisgekrönte Werk von Ulrich Hägele: Foto-Ethnographie ist nun online über die TVV-Homepage verfügbar. Bitte folgen Sie dem Link.

In der Reihe der Sonderbände ist neu erschienen:
Reinhard Johler (Hg.): Universität. Diversität! Wir? 13 Momentaufnahmen aus dem Tübinger Uni-Alltag. Tübingen 2017. - 259 S.; ISBN: 978-3-932512-89-6 ; Preis: 19,00 Euro
TVV-Mitglieder: 12,35 Euro

Gesellschaften werden immer pluraler – Universitäten auch. Kein Zufall ist es daher, dass allerorten an Universitäten eigene Diversity-Stellen eingerichtet werden. So ist etwa vor kurzem an der Tübinger Eberhard Karls Universität ein eigenes Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung ins Leben gerufen worden. Aber was ist Diversität überhaupt an der Universität – ein Potenzial oder ein Problem, eine Chance für ein neues akademisches Selbstverständnis oder doch nur ein leeres Versprechen auf Chancengleichheit? Und: Welche neue Normalität in der universitären Kultur wird damit im Kontext aktueller Exzellenzbemühungen angestrebt? Wie zeigt sich somit Diversität und wo wird sie im studentischen Alltag gerade praktiziert (oder auch nicht)?
Diesem doing Diversity ethnografisch nachzugehen, lohnt sich jedenfalls gerade besonders. Denn die Tübinger Universität hat nicht nur Diversität zentral in ihr Leitbild eingeschrieben, sondern beteiligt sich auch engagiert am Diversity-Audit „Vielfalt gestalten“. Vor diesem Hintergrund haben 15 Student*innen in ihrem dreisemestrigen EKW-Masterprojekt ihren Blick auf ihre Universität gerichtet und dabei in 13 Momentaufnahmen die Frage gestellt, ob und wie Diversität bereits die (studentische) Wirklichkeit an der Universität bestimmt.